Bartagamen Zucht teil 1

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Bartagamen Zucht teil 1

Beitrag  Gast am Di März 24, 2009 10:29 am

Zucht (Vermehrung und Aufzucht) von Bartagamen - Pogona vitticeps
Baby auf Hand

Hallo ich bin ein Baby-Barti (Bartagame), und wurde von Alex und Sabine aufgezogen.

Sie wollen Euch Tipps für die Vermehrung und die Aufzucht meiner Art geben, damit ihr auch so süssen Nachwuchs bekommt, wie mich. J

Züchten kann prinzipiell jeder, der ein Bartagamenpärchen hat. Die Aufzucht der Jungtiere ist aber sehr aufwändig und erfordert viel Zeit, wenn man den Kleinen gute Startbedingungen und eine hohe Überlebensrate gewähren will. Leider werden auch heute noch in vielen Zoohandlungen unterernährte, schwache Babys mit abgebissenen Schwänzen oder Gliedmassen verkauft. Wir wollen alle Züchter bitten, dies zu verhindern und mitzuhelfen, mehr wohlgestaltete Bartagamen auf den Markt zu bringen. Unsere Zuchtbeschreibung soll allen (zukünftigen) Züchtern helfen erfolgreich Bartagamen nachzuzüchten.

Bevor wir mit unseren Bartagamen züchteten, haben wir uns folgendes gefragt:

Haben wir genug Zeit, um uns zuerst um das trächtige Weibchen und dann um die Jungtiere zu kümmern?

Haben wir genug Platz, um die Kleinen grosszuziehen, bis wir sie abgeben können?

Haben wir genug Geld, um das Futter der Kleinen zu bezahlen?

Vermehrung

Bartagamen-Eltern

Auswahl der Elterntiere

Bei der Auswahl der Elterntiere sollten folgende Kriterien beachtet werden:

· Die zukünftigen Eltern dürfen keine Geschwister sein, da sonst durch Inzucht bedingte Mängel und Erbkrankheiten auftreten können.

· Beide Elterntiere müssen gesund sein.

· Das Weibchen muss kräftig und fit sein.

· Weibchen können zwar schon mit einem Jahr Eier legen, da sie zu diesem Zeitpunkt aber noch im Wachstum sind, warten wir, bis sie zwei Jahre alt und ausgewachsen sind.

Balzverhalten
nickendes Männchen nickendes Männchen

Das Männchen stellt seinen tief schwarz gefärbten Bart auf. Es nickt kräftig und versucht so, das Weibchen zu beeindrucken. Dabei umrundet er das Weibchen und stellt seinen Körper schief, um grösser zu erscheinen.

Ist das Weibchen (noch) nicht bereit, beginnt es zu Winken und flüchtet. Ist sie hingegen willig, zeigt sie ihm ihre Paarungsbereitschaft durch langsames, leicht federndes Nicken und “Liegestützen”.

Paarung
Paarung Paarung

Das Männchen beisst das Weibchen in den Nacken, um es festzuhalten. Er schiebt seine Schwanzwurzel unter ihre, um seine Kloakenöffnung an ihre zu drücken. Die Paarung dauert ca. fünf Minuten. Beide Partner nehmen nach diesem Akt gerne ein warmes Bad und erholen sich.

Tragzeit
trächtiges Weibchen trächtiges Weibchen

Unsere Damen legten im Abstand von knapp einem Monat mehrere Gelege ab. Die Weibchen fressen während der Tragzeit mehr und haben einen deutlich erhöhten Flüssigkeitsbedarf.

Sie brauchen viel Kalzium, um die Eierschalen produzieren zu können. Bei Kalziummangel bauen sie ihre eigenen Knochen ab, um die Eier zu produzieren. Die Folge kann Rachitis sein, erkennbar durch zitternde Gliedmassen oder weiche, biegsame Kieferknochen.

Nach drei Wochen zeichnen sich die Eier deutlich auf der Bauchdecke ab.

Eines unserer Weibchen hat eine Woche vor der Eiablage aufgehört zu fressen, da wohl die vielen Eier den Magen zusammengedrückt haben. Das andere Weibchen hat bis zur Eiablage gefressen.

Eiablage

Vorbereitungen für die Eiablage

Das Männchen oder das Weibchen in ein anderes Terrarium setzen, damit das Weibchen bei der Eiablage nicht gestört wird. Ein grosses Terrarium kann mit einer stabilen Wand temporär unterteilt werden.

è Eine Störung bei der Eiablage und Stress können bei dem Weibchen zur Legenot führen, die sofort vom Tierarzt behandelt werden muss.

· Sandhaufen aufschütten: Wir schütten den feuchten Sand­haufen in einer Ecke auf, da die Weibchen gerne in den Ecken graben. Ein Sandsack von 25 kg hat sich bei uns als geeignete Menge herausgestellt.

· Inkubator vorbereiten (siehe Bauanleitung unten)

· Vermiculit kaufen.

Graben des Legestollens

Das Weibchen gräbt im ganzen Terrarium viele Löcher um einen geeigneten Platz für die Eiablage zu finden. Dabei buddelt sie auch oft an Stellen im Terrarium mit wenig Sand. Wenn sie endlich die richtige Stelle gefunden hat, gräbt sie eine ca. 20 cm lange Höhle (Mulde) in den feuchten Sand, meist in einer Ecke des Terrariums mit viel Sand.
Wir vermuten, dass die Mulde so tief wird, bis das Weibchen nicht mehr über den Rand hinausschauen kann. Bei uns haben die Weibchen ihre Eier immer in einer Ecke des Terrariums, wo wir einen grossen Sandhaufen aufgeschichtet haben, abgelegt.

Ablegen der Eier
Weibchen legt Eier Weibchen legt Eier

Das Weibchen legt die Eier, bei uns maximal 25, auf den Boden des Legestollens. Dies kann bis zu einer halben Stunde dauern. Danach ist das Weibchen sehr erschöpft und braucht erstmal eine Verschnaufpause.

è Anzahl Gelege: Unsere Weibchen haben nach einem einzigen Kontakt mit dem Männchen je ein bis drei befruchtete Gelege mit je 17 bis 25 Eiern abgelegt. Das waren bis zu 70 Eier pro Weibchen und Jahr.
Aus der Literatur und von Freunden wissen wir, dass pro Weibchen und Jahr bis zu 7 Gelege à 40 Eier möglich sind.

Nachbearbeitung

Sind alle Eier abgelegt, klopft das Weibchen die Eier mit der Schnauze fest. Dann gräbt sie die Eier mit dem feuchten Sand zu und klopft den Sand mit der Schnauze fest. Hat der Haufen wieder seine ursprüngliche Höhe, scharrt sie darauf herum, bis nichts mehr zu erkennen ist.

Pflege des Weibchens
dünnes Weibchen dünnes Weibchen

Da das ganze sehr anstrengend und ermüdend für das Weibchen war, sollte sie jetzt ein wenig verwöhnt werden. Wir geben unseren Damen nach getaner Arbeit 3-4 grosse Wanderheuschrecken. Ein längeres Bad im warmen Wasser, bei dem sie viel trinken kann, dient zur Entspannung. Unsere Weibchen sahen nach der Eiablage sehr dünn aus, da die Eier einen Drittel ihres Körpergewichts ausmachten.

Inkubation der Eier

Das Umsetzen der Eier:
Eier auf Vermiculit Eier auf Vermiculit

Wir füllen Heimchenboxen 2 bis 3 cm mit feuchtem, nicht zu nassem Sand und geben darauf eine Schicht aus Vermiculit bis ca. 3 cm unter den Rand. Die Eier werden mit der Keimscheibe nach oben vorsichtig ins Vermiculit gelegt. Die Keim­scheibe schimmert bei frisch gelegten Eiern orange bis rötlich als runder Fleck durch die Eierschale.
In den ersten 24 Stunden nach der Eiablage wandert die Keimscheibe an den höchstgelegenen Punkt des Eies und befestigt sich dort. Wird das Ei später gedreht, kann der Embryo ersticken.
Wir setzen den Deckel schief auf die Heimchenbox, so dass das kondensierte Wasser ablaufen kann und nicht auf die Eier tropft. Werden die Eier zu nass, können sich darauf ungefährliche, grassgrüne Algen bilden, aber auch gefährliche Schimmelpilze. Die Pilze müssen vorsichtig mit einem Tuch abgerieben werden und die befallenen Eier müssen zusätzlich mit einer antimycotischen (pilzabtötenden) Salbe eingerieben werden. Bleiben die Pilze zulange, unbehandelt auf der Schale, geben sie Giftstoffe ins Innere des Eies ab, die den Embryo schädigen oder sogar abtöten können.

Der Inkubator:

Wir füllen eine alte Kühlbox mit etwas Wasser (ca. 15cm). Das Wasser wird mit einem regulierbaren Aquarienheizstab erwärmt.

è Die Temperatur des Inkubators steuern wir über die Temperatur des Wassers.

Die Heimchenboxen mit den Eiern stellen wir auf ein kleines Holzgestell (eigentlich ein Weinflaschengestell von IKEA mit zwei Küchenbrettern darauf), das ca. 5 cm aus dem Wasser ragt, so dass die Heimchenboxen nicht nass werde.

Der Deckel der Kühlbox wird schief aufgesetzt, so dass die Feuchtigkeit am Rand ablaufen kann und nicht direkt auf die Boxen tropft. So kann auch genügend Luft zu den Eiern gelangen.

Inkubationstemperatur:

Die empfohlene Inkubationstemperatur beträgt 26°C bis 30°C. Wenn die Temperatur zu hoch ist, können die Eier bleibenden Schaden nehmen. Eine leichte Temperatur­unterschreitung dürfte aber keine bleibenden Schäden zur Folge haben.

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